Rheinsberg
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Das Kernkraftwerk Rheinsberg (KKR) war das erste wirtschaftlich genutzte Kernkraftwerk der DDR. Es wurde ab 1960 nahe der Stadt Rheinsberg auf einer Landenge zwischen dem Nehmitzsee und dem Großen Stechlinsee errichtet, ging 1966 in Betrieb und wurde 1990 stillgelegt. Seit 1995 befindet es sich im Rückbau.
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Historische Einordnung
Das Kraftwerk gehörte zur ersten Generation von Forschungs- und Versuchskraftwerken für die Stromerzeugung, die weltweit errichtet wurden. Es wurde zudem der erste von der ehemaligen Sowjetunion exportierte Kernreaktor eingesetzt.
Der Rheinsberger Reaktor war der dritte Kernreaktor der DDR. Zuvor hatte das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf zwei Forschungsreaktoren in Betrieb genommen.
Inbetriebnahme
Das Projekt wurde 1956 beschlossen. Die Bauarbeiten begannen am 1. Januar 1960 und der Reaktor wurde am 11. März 1966 zum ersten Mal kritisch (noch offener Reaktor). Die feierliche Inbetriebnahme erfolgte am 9. Mai 1966. Der kommerzielle Dauerbetrieb begann am 11. Oktober 1966.
Alternativer Standort
Als alternativer Standort des Kernkraftwerkes wurde die Umgebung des Tollensesees in Erwägung gezogen. Die besseren Bodengrundverhältnisse und die geringe Besiedlung gaben den Ausschlag für den Standort bei Rheinsberg.
Begleitende Baumaßnahmen
Vom Bahnhof Rheinsberg wurde eine zehn Kilometer lange Anschlussbahn mit einem Haltepunkt in Beerenbusch zum Kraftwerk gebaut. Am 19. Mai 1958 begann der reguläre Bahnbetrieb.
Betrieb
Das KKW war mit einem WWER sowjetischer Bauart vom Typ WWER-210 ausgestattet. Die elektrische Bruttoleistung dieses Reaktors betrug 70 MW. Die Nettoleistung betrug 62 MWe, die thermische Leistung 265 MW. Seit dem 1. September 1967 befand sich der Reaktor im Versuchsbetrieb mit 75 MW, bald darauf wurde diese Leistung im Dauerbetrieb erreicht. Im Oktober 1968 wurde versuchsweise die elektrische Leistung auf 80 MW erhöht und ab 25. November 1968 das Kraftwerk dann im Dauerbetrieb mit dieser erhöhten Leistung betrieben. Die erste Umladung der Brennstoffkassetten fand Ende 1967 bis Anfang 1968 statt.
Das Kühlwasser wurde aus dem Nehmitzsee entnommen und durch den Auslaufkanal des Kernkraftwerks in den Stechlinsee eingeleitet. Beide Seen sind durch den Polzowkanal verbunden, so dass ein Kreislauf bestand. Insgesamt leistete das Kernkraftwerk 130.000 Betriebsstunden.
Der schwerste bekannt gegebene Störfall in Rheinsberg (INES Stufe 2) war ein Rohrriss im Kühlkreislauf, der schnell bemerkt wurde und repariert werden konnte.
Datei:IMG 0664.JPG
Schild am Eingangsbereich des KKW Rheinsberg |
Datei:Bundesarchiv Bild 183-1990-0427-406, Kernkraftwerk Rheinsberg, Modell der Reaktoranlage.jpg
Modell der Reaktoranlage |
Datei:Bundesarchiv Bild 183-E0506-0004-001, Rheinsberg, Kernkraftwerk, Institutsgebäude.jpg
Kernkraftwerk, Institutsgebäude |
Datei:Bundesarchiv Bild 183-1990-0129-438, Rheinsberg, Warte im Kernkraftwerke.jpg
Warte der Wasseraufbereitung |
Datei:KKW Rheinsberg.JPG
Kernkraftwerk Rheinsberg |
Stilllegung und Rückbau
Kurz vor der Deutschen Wiedervereinigung wurde das Kernkraftwerk am 1. Juni 1990 wegen erheblicher Sicherheitsbedenken außer Betrieb genommen. Die planmäßige Abschaltung war für 1992 vorgesehen gewesen.
Seit 1995 befindet sich das Kraftwerk im Rückbau. Der Rückbau wird betrieben durch die Energiewerke Nord GmbH. Die radioaktiv strahlenden Materialien werden ins Zwischenlager Nord beim Kernkraftwerk Greifswald bei Lubmin transportiert.
Einer der dafür benötigten Castortransporte diente 2001 als Kulisse für den Film „Angst“<ref>DasErste.de - Polizeiruf 110 - Angst</ref> aus der Serie „Polizeiruf 110“ des ORB.
Am 30. Oktober 2007 wurde der komplette Reaktordruckbehälter, der einschließlich der 15 Zentimeter dicken Abschirmung 169 Tonnen wog, mit Hilfe eines 24-achsigen Schwerlasttransportwagens in das Zwischenlager Nord abtransportiert.<ref name="EWN_20071030">Vorlage:Internetquelle</ref> Dabei mussten auf der damals gesperrten Bahnstrecke Herzberg-Rheinsberg zwei baufällige und deswegen besonders gesicherte Brücken in Lindow (Mark) im Schritttempo überquert werden.<ref name="BTDS_16_7619">Vorlage:Internetquelle</ref><ref name="SZ_20071031">Vorlage:Internetquelle</ref>
Ungeklärt ist bislang die Nachnutzung des mitten in einem Naturschutzgebiet gelegenen KKW-Geländes. Sowohl der komplette Rückbau zur „Grünen Wiese“ als auch eine industrielle Nachnutzung der vorhandenen Infrastruktur werden erwogen.
Das Reaktorgebäude ist stark mit Cobalt 60 kontaminiert und steht voraussichtlich erst nach 30 Jahren (der mehrfachen Halbwertszeit), wenn die Strahlenwerte abgeklungen sind, einer Nachnutzung zur Verfügung bzw. kann erst dann abgerissen werden.
Im Bereich des Kernkraftwerks ist das Grundwasser radioaktiv kontaminiert. Im Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, das einfach aus Beton errichtet worden war, traten in den siebziger Jahren Risse auf, durch die kontaminiertes Wasser austreten konnte. Das Lager wurde im Rahmen des KKW-Rückbaus ebenfalls rückgebaut und das Material abtransportiert.
Daten des Reaktors
| Reaktorblock<ref name="IAEO">Power Reactor Information System der IAEO: „Germany, Federal Republic of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)</ref> | Reaktortyp | Netto- leistung | Brutto- leistung | Baubeginn | Netzsyn- chronisation | Kommer- zieller Betrieb | Abschal- tung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Rheinsberg (KKR) | WWER-210 | 62 MW | 70 MW | 01.01.1960 | 06.05.1966 | 10.10.1966 | 01.06.1990 |
Siehe auch
- Liste der Kernreaktoren in Deutschland
- Liste der Kernkraftwerke
- Liste der Kernkraftanlagen
- Liste der WWER
Fußnoten
<references/>
Weblinks
Vorlage:Navigationsleiste Kernkraftwerke in Deutschlanden:Rheinsberg Nuclear Power Plant fr:Centrale nucléaire de Rheinsberg

